Seminar/ Workshop mit Prof. Dr. Friedrich A. Uehlein
9. November 2019, Musiksaal des Karl-Ernst-Gymnasiums
- Nach einer Erinnerung der vertrauten Züge der tonalen Musik —
der differenzierten Rangfolge und Gewichtung der Töne,
der Tonarten und Tongeschlechter,
der Tonlinien und Melodien,
der Akkorde und harmonischen Verbindungen —
richten sich Vortrag und Gespräch auf den - „Ursprung der Atonalität, […] die vollendete Reinigung der Musik von der Konvention. —
Alle verengenden Selektionsprinzipien der Tonalität sind gefallen“ —
und schließlich auf - Die Musik aus zwölf Tönen.
- Adornos Durchhören und Durchdenken der Musik ist philosophisch.
„Denn in der Kunst haben wir es mit keiner bloß angenehmen oder nützlichen Spielerei, sondern mit der Entfaltung der Wahrheit zu tun.“
(Diesen Satz aus der letzten Seite von Hegels Ästhetik zitiert er als Motto der Philosophie der neuen Musik.)
Seine Auffassung von Musik als kritischer Sondierung ihrer jeweiligen Zeit und sein Widerstand gegen die Gewalt der gesellschaftlichen Totalität sind der Nerv der Philosophie der neuen Musik und der Leitfaden des Seminars.
Seminarvorlage / Konzept: Prof. F. A. Uehlein
Vor fünfzig Jahren starb der Philosoph und Musikkritiker der Frankfurter Schule. Vor siebzig Jahren erschien seine „Philosophie der neuen Musik“ und zeitgleich auch Thomas Manns Roman „Dr. Faustus“, in dem der Nobelpreisträger Passagen aus Adornos Musikphilosophie verwendet.
In seiner Einführung in Adornos Schrift auf die Musik alskritische Sondierung ihrer jeweiligen Zeit
erläutert Uehlein, inwiefern nach Ansicht des Philosophen vor allem Schönberg einen radikalen Autonomisierungsprozess der modernen Musik verkörpert.
Auszug aus einem Zeitungsartikel, ME, 5. 11. 2019, Heinz Linduschka
„Denn in der Kunst haben wir es mit keiner bloß angenehmen oder nützlichen Spielerei, sondern mit der Entfaltung der Wahrheit zu tun.“
Von F.A. Uehlein erschien im Suhrkamp Verlag 1998
MIT DEN OHREN DENKEN.
Adornos Philosophie der Musik.
Herausgegeben von Richard Klein und Claus Steffen Mahnkopf.
Eine Veranstaltung der FIA anlässlich der Konzertlesung ADORNO – BEETHOVEN – THOMAS MANN,
Michael Fürtjes, Kotaro Fukuma am 10. November 2019, im Grünen Saal in Amorbach.
Der aus Japan stammende Pianist Kotaro Fukuma spielt in der Konzertlesung neben Beethoven auch Werke von Adorno und Alban Berg
— Vor fünfzig Jahren ist Adorno gestorben
— Vor 70 Jahren ist seine Philosophie der neuen Musik in erster Auflage erschienen
— Ebenfalls vor 70 Jahren ist Thomas Manns Roman Doktor Faustus, in dem die Neue Musik verarbeitet ist, erschienen.
Dr. Michael Fürtjes: „Beethovens letzte Klaviersonate op. 111 war für Adorno sehr wichtig. Er hat Thomas Mann für das Kapitel VIII des „Doktor Faustus“ erläutert, wie er diese Sonate versteht. Adornos Ausführungen dazu hat Thomas Mann zum Teil wörtlich übernommen.
Im von Adorno nicht mehr fertig gestellten Beethoven Buch geht es u.a. auch um diese Sonate.
Die Fragmente des geplanten Buchs gibt es als Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft Band 1727. Im Register des Buches sind 13 Stellen zu op. 111 angegeben. Entscheidend ist jedoch der Aufsatz „Spätstil Beethovens“ (stw 1717, Seite 13). Diesen Text hat Adorno im Exil Thomas Mann vorab gegeben.
Ich habe das damals als Einführung zur Konzertlesung vorgetragen:
Dass Adorno auch komponiert hat, ist möglicherweise dem einen oder anderen vage im Bewusstsein; doch gehört haben seine Musik wohl nur wenige. Sie ist allenfalls musikwissenschaftlichen Experten bekannt. Umso reizvoller erschien es uns, aus seinem kleinen Klavierwerk etwas zu Gehör zu bringen. Und weiterhin schien es uns nahe zu liegen, die Klaviersonate Alban Bergs ins Programm zu nehmen, denn bei ihm hatte Adorno Komposition studiert.
Die Zusammenarbeit von Adorno und Thomas Mann im amerikanischen Exil beim Roman „Doktor Faustus“ ist hinlänglich bekannt und in der zahllosen Sekundärliteratur zu diesem Werk immer wieder dargestellt und diskutiert worden. Ich möchte dazu nur ein paar Daten in Erinnerung rufen:
Thomas Mann lernt den 28 Jahre jüngeren Adorno im Hause Horkheimers im Juli 1943 persönlich kennen und erhält von Adorno dessen Typoskript des Aufsatzes „Schönberg und der Fortschritt“, der später zum ersten Teil der „Philosophie der neuen Musik“ wird. Thomas Mann liest außerdem sehr aufmerksam den Aufsatz Adornos von 1937 „Über den Spät-Stil Beethovens“ und lädt den Autor im September in sein Haus ein, liest ihm das Kapitel VIII des Romans vor und berücksichtigt in den folgenden Wochen die Hinweise Adornos bei mehrmaligen Umarbeitungen des Kapitels.
Nach Erscheinen des „Doktor Faustus“ im Oktober 1947 in den USA und im Februar 1948 in Deutschland erfährt Beethovens letzte Klaviersonate besondere Aufmerksamkeit. Der bekannte Musikkritiker Joachim Kaiser soll festgestellt haben, dass diese Sonate nach dem Erscheinen des Romans deutlich häufiger in Konzerten zu hören war als zuvor.
Adornos Deutung dieser Sonate ist zum Teil wörtlich in den ersten Teil des Kapitels VIII von Thomas Mann übernommen worden. Er konnte als musikalischer Laie wohl nicht richtig beurteilen, ob Adorno die Sonate zutreffend analysiert und gedeutet hatte. Es gibt in der Sekundärliteratur Hinweise auf Fehldeutungen Adornos. Für Thomas Mann hätte die Kenntnis davon womöglich nicht viel geändert, denn das, was Adorno ihm zur Sonate op. 111 vermittelte und was er ihm für den weiteren Verlauf der Komponistenbiographie Adrian Leverkühns an die Hand gab, passte zu seiner Idee von diesem Spätwerk, das wie kein anderes Werk des Schriftstellers Gegenstand akribischer Forschung und kontroverser Deutungen geworden ist.
Nicht fehlen sollte heute Abend der Hinweis darauf, dass Thomas Mann selbst die musiktheoretischen Passagen seines Romans so schreibt, dass sie von feinsinnigem Humor durchzogen, also alles andere als eine trockene Abhandlung sind. Auch in diesen Passagen trägt Thomas Mann ein „wenig höhere Heiterkeit“ in die Welt, was er als seine Berufung begriffen hat.
Zum 50. Todestag des Philosophen T. W. Adorno
Deutschlandfunk Kultur
Wo Adorno Heimat fühlte
wdr3 Hoerspiel amorbach adornit-aus-hollywood
T-online.de Lasst uns ueber das Entscheidende reden Kapitalismus